Einer gegen das Imperium (Il mondo di Yor)

Leserbewertung:
[Total: 1 Average: 5]
Ich konnte nicht anders: Bei diesem Cover musste ich einfach zugreifen. Ein Muskelmann mit brennendem Schwert, der gegen Roboter mit Strahlenwaffen kämpft? Auf einem fernen Planeten und mit einer Sternenstadt im Hintergrund? Unter dem Titel EINER GEGEN DAS IMPERIUM (US-Titel „Yor – The Hunter from the Future„)?
Da hätten Sie doch auch zugegriffen!
Zumal UNGEKÜRZTE ORIGINALVERSION drauf stand!!!
Kein „aber“: Selten habe ich mich so amüsiert wie bei Il mondo di Yor (etwa: Die Welt von Yor), der 1983 in Italien entstand.

Yor (Reb Brown), ein blonder Muskelmann mit Axt und Lendenschurz, stapft gerade durch die Berge, als er sieht, wie die hübsche Ka-Laa (Hottie Corinne Cléry in Lendenschurz und mit 80er-Jahre-Föhnfrisurenmatte) und ihr älterer Begleiter Pag von einem Monster attackiert wird. Natürlich greift er beherzt ein, siegt, man bedankt sich und er wird sofort im Dorf herzlich willkommen geheißen. Leider wird das Dorf gleich darauf von eine Horde gegnerischer Urzeitmenschen angegriffen und niedergebrannt, nur die drei können fliehen.

Yor, Ka-Laa und Pag suchen nun, warum auch immer, nach Informationen zur Herkunft von Yor. Denn der hat ein seltsames Amulett um den Hals und das ist offenbar Grund genug… Nach diversen Stationen einer prototypischen Keilereien-in-der-Fantasy-Steinzeit-Geschichte finden sie, was sie suchen: Nämlich (blonde) Außerirdische, die natürlich von ihrem eigenen Staatsoberhaupt (schwarzer Imperatoren-Dress!) unterdrückt werden. Doch die Blonden planten ohnehin gerade den Aufstand, so dass ihnen Muskelmann Yor gerade recht kommt.

Finale mit Strahlenwaffen, Bombe mit Zeitzünder am Hauptenergiedings, Flucht ins All.

Da! Das brennende Schwert vom Cover!

Der ganze Unsinn wäre so unerträglich wie die Bildqualität der DVD, wenn er nicht doch wahnsinnig viel Charme hätte. Yor ist keineswegs blöd und grinst immer sympathisch verschmitzt. Die Frauen sind schön, ihre Lendenschurze knapp. Und immer wieder gibt es unerhört witzige Ideen auf halbwegs annehmbaren Niveau, die man gerne nehmen und in einen besseren Film retten möchte.

Man muss ihn einfach mögen …

Unvergessen zum Beispiel die Warnung des älteren Herren vor dem gefährlichen Raubvogel, den Yor sich sofort greift und als Gleiter benutzt, um kühn in die Reihen des Feindes zu krachen. Oder die Trapeznummer im Reaktorkern. Dann ist da noch die Herrscherin in der Wüste, die über „das Eis“ wacht, in dem geheimnisvolle Wesen eingefroren sind … (auf die der Film leider nicht näher eingeht).
Leider hechelt der Streifen, der offenbar „Conan“- und „Star Wars“-Fans zugleich bedienen wollte, an solchen Details oft viel zu schnell vorbei. ZUm Ausgleich weist er nur ganz wenige Längen auf und lässt erst dann merklich nach, als er nach genau einer Stunde überraschend von der Fantasy unvermittelt in die Science-Fiction kippt – und mit Strahlen-Ballereien in Sets verlassener Fabrikhallen und Kraftwerkskontrollräume ziemlich cheesy wird.

Heizkraftwerk? Nein! Eher das Imperium…

Na egal. Es brennt! Es explodiert! Wasserdammbrucheinsturzszene! Laserstrahlen! 1 Cat-fight! Und sogar die Urzeitmonster, gleich zwei davon, sind nicht, wie oft in der Pre-CGI-Ära üblich, schlechte Stop-Motion-Monster, sondern riesige Pappmachee-Animatronics, deren bewegliche Zungen jung gebliebene Phantastik-Fans immer noch zu begeistern wissen. Und am Ende noch ein Modell-Raumschiff, das *echt* durch eine Feuerwolke fliegt (kein Bluscreen oder so) – also wirklich, man muss Yor in „Einer gegen das Imperium“ mit eigenen Augen gesehen haben, um das alles glauben zu können. Das ist wirklich Cheese mit Pepp!

Ein letzter Cover-Check: Brennendes Schwert? Hat er! Roboter mit Strahlenwaffen? Ja, gibt es! Raumschiffe und Stadt in den Sternen? Leider komplette Fehleranzeige. EINER. Ja, naja, Yor halt. IMPERIUM? Keines. UNGEKÜRZTE ORIGINALVERSION? Hahaha! Schon möglich, sofern schon das Original sichtlich verstümmelt war, denn mindestens zwei Szenen fehlen komplett (und keineswegs wegen Gewalt- oder Sex-Szenen – der Film ist so harmlos wie Donald Duck), insofern ist das eine richtig freche Cover-Lüge. Zumal beim Regisseur zu lesen ist, es handle sich bei Yor eigentlich um eine TV-Serie; dort ist von 3- und 4stündigen Fassungen die Rede (diese hier kommt auf ca. 85 Min.), doch die gibt es wohl nur in Italien.

Yor: immer gut drauf, der Typ

Fazit: Was für ein Spaß! Einer der raren Fälle eines echten So-schlecht-dass-er-gut-ist-Films: Die wilde Mischung aus Barbaren-Fantasy und käsigem Sci-Fi ist für Trash-Fans ein Hochgenuss. Für freudlose Arthaus-Intellektuelle ist Yor aber möglicherweise eine Pein …

Zu haben als …

  • … verstümmelte DVD in verrauschter Qualität mit wechselnder Bildgröße (letztlich aber 4.3)
  • … dito auf der SciFi Classic Edition (vom gleichen DVD-Macher), dort aber mit drei anderen Knallschoten

Der Trailer:

Der Filmbeginn mit Titelmusik:

Andreas

Der Autor der Science-Fiction-Schund-Serie Scott Bradley bloggt auf scififilme.de über Sci-Fi-Filme, die er gerne sieht. Deine Meinung zu einem phantastischen Film ist vielleicht eine ganz andere als seine – und das ist gut so: Schreib uns in den Kommentaren, warum Du es anders siehst!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.