‚Helix‘: neue SF-Mystery-Serie auf Syfy

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In der unzugänglichen Arktis lässt die mysteriöse Firma Arctic BioSystems in einem ungeheuren unterirdischen Forschungslabor an allerlei gefährlichen Dingen forschen, natürlich jenseits aller Kontrolle durch Staaten. Doch dann geht irgendwas was schief, es gibt einen „Outbreak“. Sofort werden einige Wissenschaftler der US-Seuchenbehörde CDC eingeflogen. Obwohl ausdrücklich weder zuständig noch erwünscht, sollen sie herauskriegen, ob das, was hier ausgebrochen ist, vielleicht ansteckend und gefährlich ist. Nicht ganz leicht: Der einzige überlebende Infizierte zeigt sich ebenso wenig kooperativ wie der Chef der Forschungsstation …

Eigenproduzierte Sci-Fi-Serien haben keinen leichten Stand, auch nicht bei Syfy, dem Spartensender hinter der Serie „Helix“, die auf dem Pay-TV-Sender ab 10. April immer Donnerstags um 21 Uhr ausgestrahlt wird. Sie sollen einerseits die Zuschauer über Monate bei Laune halten, andererseits natürlich in jeder Episode spannend sein, zwischendurch Wow-Effekte liefern und am Ende stets einen Haken bieten, der den Zuschauer zur nächsten Episode ködert. Und das alles mit einem limitierten Budget. Ist das vielleicht der Grund, warum solche Serien einem immer den gleichen Brei aus Standardzutaten vorsetzen?

Es beginnt damit, dass der in „Helix“ anreisende Chef-Ermittler Dr. Alan Farragut natürlich nicht irgendwer ist, sondern der Bruder des Chef-Infizierten Dr. Peter Farragut. Das CDC-Team besteht des weiteren natürlich aus zwei höchst gutaussehenden Superforscherinnen, von denen die Zellbiologin Dr. Julia Walker die Ex-Frau beider (!) Farraguts, die Virologin Dr. Sarah Jordan hingegen das neue Could-be-Love-Interest des natürlich männlichen Teamleiters ist. Auch ist der Chef der arktischen Forschungseinrichtung natürlich ein höchst mysteriöser Dr. Hiroshi „Wichtigtuer“ Hatake. Der sagt natürlich nie die (ganze) Wahrheit und ist natürlich garantiert irgendwie am Schlamassel beteiligt.

Ein Großteil der Handlung geht für Kompetenzgerangel zwischen wichtigen Männern drauf, die immer wichtiger sind als die anderen wichtigen Männer, und die auch schlauer sein wollen als die superschlauen Superfrauen, auf deren wichtige Hinweise sie daher auch nie hören. Zum Geschepper der Alphatier-Geweihe – inmitten einer Konzentration akademischer Titel nahe an der kritischen Masse – gesellen sich natürlich noch Militärs, die bestimmt eine eigene, geheime und gewiss unangenehme Agenda haben – verdächtigt werden sie natürlich nicht.

Dann sind da noch die 106 Forschungsexperten aus 35 Nationen, die stets nur im Weg stehen. Was würden SIE machen, wenn Sie mit minimalem Personal in einer abgelegten arktischen Anlage voller Biotech-Laborkittel die Ursache für „etwas Biotechiges“ suchen müssten, das Infizierte in kurzer Zeit zu schwarzem Schleim zersetzt? Genau: Sie würden fragen: „Hallo? Könnten Sie, Sie und Sie uns vielleicht helfen, ehe alle hier angesteckt werden?“ Und alle Eierköpfe würden mitmachen, und sei es ehrenamtlich zwei Stunden nach Feierabend. Doch bei Arctic BioSystems stehen sie nur rum und jaulen, Elite-Biowissenschaftler wischen selbst einfachste Quarantänevorschriften weg wie verschüttetes Wasser – sehen die denn keine Outbreak-Filme?

Langweilig wird die Serie deswegen nicht. Naht ein ruhiger Moment, stellt sich eine Frau nackt unter eine Dusche, und wird dort dann – völlig überraschend! – vom sabbernden Infizierten angefallen. Wie überhaupt Männer stets in Gruppen, Frauen nur alleine unterwegs sind. Ein Nanometer großes Mutagen aus der Kreidezeit wird entdeckt und genregerecht im Mikroskop bestaunt. Auch der Zuschauer darf staunen, etwa über Versuchsäffchen, die offenbar aus dem Labor flohen, aber im Freien der Arktis nicht etwa „irgendwie“ erfroren, sondern – shocking image! – mitten im Lauf erstarrten. Eine typische Einstellung, in der „Sieht super aus“-Fantasien über „So frieren doch keine Lebewesen ein“-Realitäten triumphierten. Weiteres persönliches Highlight: Jemand versucht aus der Station zu fliehen: „Ich werde die Presse informieren! Die Öffentlichkeit hat ein Recht, es zu erfahren“, quäkt er noch sinngemäß, bevor ihm das passiert, was allen passiert, die das im Film sagen, erst recht, wenn sie es zu Personen im Tarnanzug sagen.

Auf IMDB prügeln sich bereits die Hater und Lover der Serie. Die Lover wundern sich vor allem, dass die Hater „Helix“ vorwerfen, unrealistisch zu sein. Daher sei an dieser Stelle betont: Eine Mystery-SF-Serie muss nicht „realistisch“ sein. Aber hören Sie sich das an: Alle kriegen RFID-Chips in die Hand implantiert, die als Türöffner dienen. Schnitt. Leiche wird gefunden, es fehlt eine Hand. Schnitt. Wissenschaftler grübeln, warum der Arm fehlt. Schnitt. [Setzen Sie selbst ein, wofür die Hand wohl gebraucht wurde.]
Oder: Dr. Doreen Boyle, der man schon ansieht, dass sie nur für 5 Episoden gebucht ist, dringt in einen der vielen finstren Bereiche der Anlage ein. Dort findet sie ein Versuchstier, einen Affen – obwohl es zuvor hieß, es gäbe keine Versuchsaffen, ergo verdächtig. Sie seziert den Affen da unten im Keller auf einer Werkbank – natürlich ohne Bio-Schutzanzug (!), ohne dafür ein Labor aufzusuchen und ohne die Kollegen zu informieren. Das tut sie allein, mit dem Rücken zur Tür, Musik aus Kopfhörern hörend – damit sie garantiert nicht mitkriegt, wenn das Schleimmonster sich anschleicht.

Das hat nichts mehr mit fehlendem Realismus zu tun, das ist einfach unbeholfen geschrieben.

Apropos Klischee: Lüftungsschächte. In „Helix“ geht man darin krabbelnd spazieren, findet Blutspuren, Schleimspuren, Leichen. Man flieht darin, verfolgt jemanden, wird angefallen, verliert sein Gedächtnis …: Lüftungsschächte – die dürfen seit Alien (1979) nicht fehlen. Unsere CDC-Helden bräuchten eigentlich nur noch „Motion Tracker“ und Flammenwerfer (nun: sie haben Elektroschocker…).

Genug gelästert. Ab 10. April immer Donnerstags um 21 Uhr auf Syfy.

Fazit: Als solides Mittelmaß für Serienjunkies ist „Helix“ okay, aber hoffentlich steigert sich das noch.

Fazit Andreas: Ich werde mir weitere Folgen ansehen, „trotzdem“. Denn vom ersten Eindruck her ist das eine angemessen produzierte Serie zwischen „irgendwas mit Zombies“ und „irgendwas mit Supermenschen“ in „einem arktischen Labor“, teils durchaus spannend. Allerdings häufen sich schon die ersten zwei Folgen so viel Drehbuchschwächen und Klischees, dass man alles weitere eigentlich schon absehen kann: die Infektion des CDC-Teams, der Zusammenbruch der Kommunikation, die Suche nach dem Heilmittel, das dann natürlich der Konzern abgreifen wird, gewiss in Person einer perfekt frisierten Konzern-Oberschnitte …

Fazit Peter: Nach Männern, die auf Affen starren geht da bestimmt noch mehr: Ein Unwetter inklusive Abreißen der Funkverbindung zur Außenwelt. Die Kontaminierten sägen die Masten des Windparks an und verursachen einen Stromausfall. Der Chef-Infizierte wird gefunden und kann sich an nichts erinnern. Sagt er jedenfalls. Weiterhin im Angebot: Eine vergrabene Pyramide, der Yeti oder eine Frau wird schwanger. Der kleine Timmy hat seine Murmeln im Labor liegen lassen, wird dort von einer mutierten Ratte gebissen und schwer krank, bis ihm jemand unter höchsten Risiko einen Cocktail verabreicht, der ihn natürlich ohne Neben- und Nachwirkungen ins Leben zurückholt. Die Forschungseinrichtung wird gesprengt oder fliegt ins All zurück zu den Aliens, die hinter allem stecken. Konzertiertes Aufatmen. Alle lachen am Ende, bis, von dissonanter Musik begleitet, schwarze Schmatze aus dem Abfluss quillt, was bis zur zweiten Staffel aber niemand sieht. ICH jedenfalls werde all das nie erfahren …

Filmstills: Syfy/NBC UNIVERSAL Global Networks Deutschland

Peter & Andreas

Das Autorengespann Peter Hostermann und Andreas Winterer hat schon so manches gesehen, so manches verbrochen.

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