Memory Effect – Verloren in einer anderen Dimension

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Als der Wissenschaftler Tom sich in Memory Effect in die Erinnerungen des unter Mordverdacht stehenden Anthony begibt, um dessen Schuld zu überprüfen, bleibt er dort gefangen – und hat Zeit, das erinnerte Leben des Kleinkriminellen sorgfältig auseinander zu pflücken und Motive für die Tat zu finden, aber auch Zweifel an der Schuld. Überraschend guter Independent-SF-Film.

Tom

Der Wissenschaftler Tom hat ein neues technisches Verfahren entwickelt, mit dessen Hilfe man sich in die Erinnerungen anderer Menschen hineinbegeben kann. Tom will damit natürlich nur Menschen mit traumatischen Erlebnissen helfen. Doch das Geld für die Forschung kommt, nein, nicht vom Militär, sondern von der Staatsanwaltschaft.

Eines Tages will die auch was für ihr Geld sehen: Er soll in die Erinnerung eines rauschgiftsüchtigen Angeklagten hineinkriechen und anhand seiner Erinnerung prüfen, ob der wirklich des Mordes schuldig ist. Ist er offenbar. Doch dann geht was schief: Tom bleibt in den Erinnerungen des Kleinkriminellen Anthony stecken. Während Toms Körper nun über Jahre hinweg im Koma liegt, analysiert sein Geist die Erinnerungen von Anthony, welcher derweil im Gefängnis sitzt…

Memory Effect

Anthony

Es ist fast schon ein eigenes Filmgenre: Die Geschichte von den Wissenschaftlern, die sich aus diversen Gründen in die Erinnerungen eines anderen Menschen hineinbegeben. Genau das gleiche passiert bei „Memory Effect – Verloren in einer anderen Dimension“ (im Original zutreffender: Extracted, 2012). Hier geht es aber ausnahmsweise mal nicht darum, um wie bei „The Cell“, „Inception“ oder „Dreamscape“ mit möglichst vielen Effekten oder einer phantasievoll-seltsamen Vorstellungswelt zu punkten.

Statt dessen setzt der Indie-Film Memory Effect ganz auf das Drama. Das Ergebnis ist mitnichten eine Arthaus-Schlaftablette, sondern ein ziemlich spannendes Kammerspiel. In dem klärt Tom einerseits den wahren Hintergrund des Mordes auf, andererseits stellt der Film stets die Frage stellt, wie unser Ich sich aus unseren Erinnerungen konstituiert und wie zuverlässig diese Erinnerungen eigentlich sind.

Auf der Suche nach dem Memory Effect

Für Memory Effect muss einige Kröten schlucken, die selbst das Vorstellungsvermögen von Berufsphantasten sprengen. Etwa, wie ein Gehirn zwei komplette Bewusstseine aufbewahren kann, von denen das eine (Tom) sich nur bemerkbar machen kann, indem es die Erinnerungen des anderen (Anthony) so ändert, dass Anthony sich an Tom „erinnern“ kann. Ist aber egal, denn man zweifelt keine Sekunde daran, dass dies nur das phantastische Was-wäre-wenn-Element einer doppelten Kriminal-Liebes-Geschichte ist, die überraschend ergreifend, spannend und abwechslungsreich serviert wird. Und das im Fall von Memory Effect mit dem Budget eines halben „Tatort“.

Fazit: Memory Effect

Memory Effect entpuppt sich als überraschend gelungenes Low-Budget-Science-Fiction-Drama ohne Effekthascherei. Gut für Fans Radau-armer Independent-Phantastik.

Zu haben als DVD und Blu-ray.

Credit: Filmbilder (C) Sunfilm Entertaiment

Andreas

Der Autor der Science-Fiction-Schund-Serie Scott Bradley bloggt auf scififilme.de über Sci-Fi-Filme, die er gerne sieht. Deine Meinung zu einem phantastischen Film ist vielleicht eine ganz andere als seine – und das ist gut so: Schreib uns in den Kommentaren, warum Du es anders siehst!

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