The Ark – Wir sind nicht allein (Stranded)

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Als SF-Film-Fan ist man ja derartig ausgetrocknet, dass man verzweifelt nach jedem Strohhalm greift. „The Ark“, Originaltitel „Stranded“ von 2013, rätselhafter Verleihuntertitel „Wir sind nicht allein“ ist einer dieser Strohhalme, nach dem nur ganz harte Fans greifen sollten. „Vom Oscar-prämierten Kreativen Kopf hinter Star Wars“ behauptet das Cover und lügt nicht mal, doch was „Battlefield Earth“-Regisseur Roger Christian (Oscar für die Set-Dekorationen von Star Wars IV) hier abliefert, hat soviel mit Star Wars zu tun wie Klopapier mit der Bibliothek von Alexandria.

Die Miniaturmodelle: ausnahmsweise wäre wohl CGI besser gewesen…

The Story: In der Forschungsstation / Minen-Mondbasis „The Ark“ schlagen ein paar Meteoroiden ein. Ratzfatz bricht die Versorgung mit Sauerstoff und Strom zusammen. Die Funkantenne ist hinüber, der Kontakt zur Erde abgebrochen. – Daraus könnte man ein prima Drama machen.

Die Sets: schön dekoriert!

So macht es der Film: Die einzige Frau im Team wird losgeschickt, um irgendwo im Nachbargebäude einen wichtigen Schalter umzulegen. Das macht sie auch, nimmt dabei einen der rumliegenden Meteoriten mit, weil „Sporen“ drauf zu sehen sind – klar, wer würde das nicht einstecken und ohne Quarantäne einfach in die Wohnräume mitnehmen?
Als man die schlimmsten Lecks gestopft, die Brände gelöscht und den Notstrom aktiviert hat, kommt eine Warnmeldung vom Arzt: Weil derzeit die Luftfilter nicht richtig arbeiten, bestünde die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung: Bei den damit verbundenen Halluzinationen solle man sich einfach melden, over.

Die Wissenschaftlerin untersucht derweil mit einem Kollegen die besagten Sporen des Meteoriten, doch das Reagenzglas geht natürlich kaputt, sie schneidet sich natürlich am Glas, natürlich infiziert sie sich.
Natürlich sagt sie es niemandem.
Und als ihr nach einer 24-Stunden-Schnellschwangerschaft ein Monster aus dem Bauch glibbert, glaubt es natürlich niemand – alles bloß Halluzinationen von der „Kohlenmonoxidvergiftung“ (war das nicht Kohlendioxid?).

Schwanger in 24 Stunden: das kann nur ein Monster sein… bzw., laut Bordarzt (rechts) „vielleicht nur Zyste“ oder „Halluzination“

Das Drehbuch: zum Weinen.
Die Darsteller: arme Schweine, die nicht gegen das Dummdrehbuch ankommen.
Das Monster: psychologisch fragwürdig motiviert, aber immerhin schön schleimig.
Die Sets: wie bei Star Wars vor 40 Jahren, nur diesmal ohne Licht – fast der gesamte Film spielt mit Taschenlampenbeleuchtung.
Die Raumbasis, die schon in der ersten Einstellung als Revell-Bausatz erkennbar ist, könnte man als Fan akzeptieren, auch wenn sie keinen Deut besser ist als zu Zeiten von Mondbasis Alpha 1. Doch sie spielt letztlich keine Rolle, denn der gesamte Film spielt innen. In den endlosen, weiteren, geräumigen Gängen der Mondbasis, die so ungeheuer groß ist, dass vier Besatzungsmitglieder problemlos in der Lage sind, das Monster nicht zu finden. Kein Wunder, versteckt und bewegt es sich doch in den Belüftungsschächten, die einmal mehr so ungeheuer geräumig sein müssen, das sie wahrscheinlich eine eigene Bar haben…
Die Halluzinations-Idee: konsequent unter Potential umgesetzt.
Das Ende: denken Sie sich einfach „das Naheliegendste für eine Fortsetzung“ aus, und zwar auf Basis des folgenden Begriffs: Fluchtkapsel.

Im Weltraum hört uns niemand schreien, leider auch nicht auf der Erde vor der Glotze. Ein unfassbarer Rohrkrepierer in der Tradition schlimmster C-Movies aus den 90er Jahren, mit allem, was die damaligen Filme so schlecht macht, etwa miese Effekte, sinnlose Handlungen, schlechtes Tempo, kein Gefühl für Zeit und Raum…  dazu die unnötigste Duschszene aller Zeiten, ja überhaupt: das fließende Wasser mit den Porzellanwaschbecken auf dem Mond … Unfassbar, dass derselbe Regisseur „Battlefield Earth“ machte, was zwar auch eine ziemliche Gurke ist, aber imho eine ziemlich witzige, und im Vergleich zu „The Ark“ ein A-Film.

Fazit: „The Ark“ ist fantasielos, amateurhaft, schlampig und dümmlich. Dieser zusammengeklaute Verhau versucht in keiner Weise, das fehlende Budget mit Charme, Inspiration, Ideen auszugleichen. Das passabel schleimige Monstrum in anständigen dekorierten Sets reicht einfach nicht, weil sonst viel zu wenig passiert, erst rechts nichts spannendes. Echt schade.

  • Zu haben auf DVD.

Hier, was laut Eigenwerbung des Film angeblich andere dazu sagen (ob die es wirklich sagten, habe ich nicht überprüft): “Kurzweilig, spannend und ziemlich böse“(Filmchecker) Nein: Eher mittelmäßig und glitschig. — “Atmosphärisch dichter Sci-Fi-Horror“(Blu-ray Magazin) Sci-Fi-Horror ja, atmosphärisch nein, atmosphärisch dicht erst recht nicht. — “Sci-Fi-Horror in der Tradition von Alien und Event Horizon“(Moviestar) Auf gar keinen Fall. Nicht mal ansatzweise. — “Geheimtipp für Genre-Fans“ (Monthly Post) Ja: Und es wäre besser ein geheimer Geheimtipp geblieben… — “Event Horizon, Alien und Sunshine lassen grüßen – ein Fest für Sci-Fi-Fans“ (IMDB) Nichts davon lässt grüßen. Null. — “Klaustrophobisch und bedrohlich“(Screen Magazin) Bedrohlich? Nie. Klaustrophobisch? Leider auch nie, weil die Station in ihren endlosen (funktionsfreien) Gängen und zahlreichen Räumen einfach nie die Chance dazu bekommt. Der Regisseur hat leider kaum Gefühl für Raum und Zeit… Bei einem Billig-Budgets von 2 Mio, die dank Direkt-2-Video sicher wieder drin sind, ist allerdings mit einer Fortsetzung zu rechnen…

Andreas

Der Autor der Science-Fiction-Schund-Serie Scott Bradley bloggt auf scififilme.de über Sci-Fi-Filme, die er gerne sieht. Deine Meinung zu einem phantastischen Film ist vielleicht eine ganz andere als seine – und das ist gut so: Schreib uns in den Kommentaren, warum Du es anders siehst!

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