The Angry Red Planet: Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort (1959)

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Man nehme: vier Raumfahrer wie frisch geschnitzt auf dem Seminar für hölzerne Charaktere: Der harte Captain; der kluge Wissenschaftler (mit -Ziegenbart und -Brille), die schreckhafte Frau, der einfache Mann mit der vernichtenden Wumme und dem goldenen Herzen.

Diese Vier fliegen zum Mars, „The Angry Red Planet“ (1959), wobei sie Schach spielen und ab und zu was in Klemmblöcken notieren, gut gelaunt, wochenlang, 200 Millionen Kilometer sind ja ein Klacks. Doch nach der Landung will ihnen der rote Planet gar nicht gefallen: zu ruhig ist es im marsianischen Dschungel, als ob da Absicht dahinter stünde.

Und da!: „Der Funkkontakt zur Erde ist unterbrochen!“ und „Man beobachtet uns!“ und tatsächlich – Kreisch! – ein gruseliges Wesen mit Glubschaugen und Fühlern … und das ist erst der Anfang!

Herzig. Von der Infektion mit grünem Glibber über den Angriff von fleischfressenden Pflanzen und langbeinigen Riesenspinnen bis hin zu schaurigen Mega-Mutant-Blobs aus dem marsianischen Wasser ist alles dabei, was das Herz des Fans später 50er-Jahre-SF begehrt.

Alle Außenaufnahmen auf dem Mars – Windstille, Pflanzen, Seen und Bäume – sind in knalligstes Rot getaucht. Der CineMagic genannte Prozess sollte wohl den Kontrast zwischen den meist gemalten Kulissen und den realen Schauspielern in ihren Raumanzügen verschwinden lassen.

Gelungen ist das nur zum Teil. Es sieht einfach alles noch unrealistischer aus und verschwimmt spätestens dann zu rotem Brei, wenn die Augen zu tränen beginnen. Wie überhaupt der ganze Film ein ziemlicher Stinker ist: Viel zu oft wird viel zu lang aus einer Luke geglotzt, wobei die Helden der Menschheit Dinge kommentieren, die der Zuschauer nicht sehen kann. So was macht Dreharbeiten natürlich günstig, aber gute Hörspiele sehen eben anders aus.

Und doch lohnt es sich für harte Fans, diesen Streifen anzuschauen.

Etwa wegen des Angriffs der schwimmenden Riesen-Amöbe (auf die Mannschaft, die verzweifelt im mitgebrachten Schlauchbooot paddelt!), die angeblich zugleich einzellig ist und dennoch einen schaurig rotierenden (!) Augapfel hat. Oder wegen der blob-artigen Assimilierung eines Besatzungsmitglieds. Beides spaßige Szenen, vor allem angesichts des Arme-Leute-Budgets von der Sage nach nur 200.000 Dollar. Besonders heiter auch Szenen wie jene, in der der Mann fürs grobe seine Waffe küsst (mehrmals!) oder einmal, als die Science-Rothaarige einen Spritzer Parfum auflegt. Da schnuppert er ganz überrascht, der Vader…

KREISCH!

Auch aus historischem Interesse sollte man sich den Beitrag zur Filmgeschichte geben. Zzum Beispiel wegen des unverhohlenen Sexismus, der dann aber doch irgendwie an-subversiert wird. Wegen des Klischees der außerirdischen Botschaft: „Bleibt auf der Erde!“, ja ja, schon damals wollten Ewiggestrige unsere wichtigen Mars-Missionen schlechtreden. Und auch wegen der Hybris, mit dem die Mannschaft beim ersten Erkundungsgang auf einer fremden Welt vor die Raketentür tritt und als erstes kess die Funktion der „Ultraschallwaffe“ am nächstgelegenen, noch lebenden Objekt austestet.
ZAPP!
Kaputt.
So was filmt man heute eher nicht mehr. Und das spricht ja auch dafür, dass wir uns irgendwie weiterentwickelt haben…

Fazit: Liebenswert vertrottelter Sci-Fi-Weichkäse mit lowem Budget und ein paar Längen, der schon damals schlecht war.
Was man in diesem Film fürs Leben lernt:

  • Der Mars ist rot.
  • Marsianer haben drei Augen und eine tiefe Stimme.
  • Marsianer verstecken sich hinter Felsen.
  • Eine Mars-Mission sollte immer ein Schlauchboot dabei haben, falls man einen See überqueren muss.

Infos:

 

 

Andreas

Der Autor der Science-Fiction-Schund-Serie Scott Bradley bloggt auf scififilme.de über Sci-Fi-Filme, die er gerne sieht. Deine Meinung zu einem phantastischen Film ist vielleicht eine ganz andere als seine – und das ist gut so: Schreib uns in den Kommentaren, warum Du es anders siehst!

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